Examen ohne Repetitor
Startseite | Organisation | Lernplan | Literaturtips | Über den Autor | Feedback

Mein Konzept
Ich begann mit meiner Examensvorbereitung nach dem 6.Semester, als ich sämtliche Scheine zusammen hatte. Ziel war es, das Examen nach dem 8. Semester im Septembertermin abzulegen. Meine Examensvorbereitung war auf 13 Monate ausgelegt (Anfang August bis Ende August nächsten Jahres). 11 Monate davon wurden von einem vorher ausgearbeiteten Lernplan abgedeckt (Lernphase), die restlichen 2 Monate dienten der Wiederholung (Wiederholungsphase).

Zentrales Element der Lernphase war eine private Arbeitsgemeinschaft, näheres dazu siehe unten. Darüberhinaus besuchte ich während der Lernphase auch noch Repetitoriums-Vorlesungen an der Uni, allerdings nur sehr wenige. Zu Beginn des 7. und 8. Semesters habe ich mir einige Vorlesungen kurz angehört und mich dann radikal auf die zwei bis drei Vorlesungen beschränkt, die ich für die effektivsten hielt.

Die Planungsphase (ca. 15-14 Monate vor dem Examen)
Mit den Planungen, wie man das Examen angehen möchte, sollte man einige Monate vor dem eigentlichen Lernbeginn anfangen. Entscheidet man sich für eine private AG, kann es schon ein bisschen dauern, bis man passende AG-Mitstreiter gefunden hat. Am einfachsten dürfte es sein, sich bei den Kommilitonen umzuhören, ob noch andere Interesse an einer Privat-AG haben. Notfalls kann man auch einen Aushang an der Uni machen. Es kann übrigens von Vorteil sein, die AG mit Leuten zu machen, die man nicht besonders gut kennt: bei einer AG aus guten Freunden ist die Gefahr größer, während der Sitzungen vom Thema abzuschweifen, weil man sich gegenseitig unbedingt irgendwelche Neuigkeiten erzählen muss.

Hat man ein paar Interessierte zusammen, sollte man sich zu einem gegenseitigen Kennenlernen treffen. Wichtig ist, dass man sich gegenseitig klarmacht, welche Erwartungen man in die AG steckt, welche Ziele man anstrebt und wie man sich die Zusammenarbeit in der AG vorstellt. Nur Personen mit ähnlichen Vorstellungen gehören in dieselbe AG, anderenfalls kann kaum gewinnbringend gearbeitet werden. Ich rate daher auch davon ab, eine AG mit Leuten zu bilden, die einen anderen Examenstermin als man selbst anstreben. Die Lernmotivation ist dann zu unterschiedlich.

Die Anzahl der Leute in der AG sollte 5 nicht überschreiten. In meiner AG waren wir zu viert, das wurde allerseits als optimale Größe angesehen. Hat man erst einmal die AG-Teilnehmer zusammen, sollten weitere Koordinationstreffen folgen. Es gilt: je mehr man vorher klärt, umso weniger Konfliktpotential entsteht während des gemeinsamen Lernens. Daher vorher nicht nur festlegen, wie die einzelnen AG-Sitzungen ablaufen sollen, sondern zB auch was geschieht, wenn einer krank ist, spontan keine Lust hat oder ähnliches.

Dann sollte man sich einigen, wo man die AG abhalten möchte. Am besten ist ein neutraler Raum, etwa an der Uni. In Passau gibt es die Möglichkeit, die Räume der Evangelischen Studentengemeinde zu nutzen. Das war für uns die ideale Lösung: anders als in der Wohnung eines der AG-Teilnehmer kann man sicher sein, nicht durch Telefonanrufe, Besuche o.ä. abgelenkt zu werden. Die AG-Sitzungen sollte man auch tatsächlich zu konzentriertem Arbeiten nutzen. Tee und Gebäck können zwar nicht schaden, aber man muss schon aufpassen, dass aus der Arbeitsgemeinschaft kein Kaffeekränzchen wird. Zur Not kann man sich ja schon kurz vor dem eigentlichen AG-Beginn treffen, um noch den neuesten Klatsch auszutauschen, bevor es mit der Arbeit losgeht.

Schließlich gilt es, zusammen den Lernplan auszuarbeiten. Näheres dazu hier.

Die Lernphase (11 Monate)
Die Lernphase wird maßgeblich durch den Lernplan bestimmt. Man sollte sich daher große Mühe bei dessen Ausarbeitung geben und den Plan auf die Wünsche und speziellen Bedürfnisse der AG-Teilnehmer abstimmen.

Wir hatten zwei AG-Sitzungen pro Woche eingeplant, eine immer Zivilrecht, die andere entweder Straf- oder öffentliches Recht. Der Lernplan bestimmte immer sowohl das Thema der Sitzung als auch das vorbereitende AG-Mitglied. In der AG wurden ausschließlich Fälle besprochen. Es wurde von den AG-Teilnehmern erwartet, dass sie bis zur jeweiligen Sitzung mit dem zu besprechenden Thema vertraut waren.

Der Vorbereitende wählte aus Fachzeitschriften oder Falllösungsliteratur passende Fälle aus. In der Sitzung wurde an die anderen AG-Teilnehmer zunächst nur der Sachverhalt ausgegeben, dann gab es Zeit zur Anfertigung einer Lösungsskizze und schließlich wurde der Fall gemeinsam besprochen sowie die kopierte Musterlösung ausgeteilt. Während der vierstündigen AG-Sitzungen (incl. 15 Minuten Pause) konnten auf diese Weise 3-5 Fälle abgearbeitet werden.

Dieses System steht und fällt mit der Bereitschaft der AG-Teilnehmer, sich strikt an den Lernplan zu halten und das jeweilige Thema auch tatsächlich bis zur AG parat zu haben. Die Fälle sollten nicht zur Erarbeitung eines Themas, sondern zur Einübung des bereits Gelernten und der Lernkontrolle dienen. Haben sich einzelne Teilnehmer nicht vorbereitet, können sie bei der Fallbesprechung wenig beitragen. Sind dagegen alle mit dem Thema vertraut, ergeben sich oft gute Diskussionen, bei denen nicht selten die Richtigkeit der Musterlösung hinterfragt wird. Durch solche Streitgespräche lernt man, mit verschiedenen Ansichten umzugehen, diese in der eigenen Lösung zu verarbeiten und nebenbei bereitet man sich auch gleich auf die Situation in der mündlichen Prüfung vor.

Ich habe während der Lernphase 6 Tage pro Woche gearbeitet. 5 Tage reines Lernen mit gelegentlichem Besuch einer Vorlesung. Am 6. Tag stand der Uni-Examensklausurenkurs auf dem Programm. Den Besuch eines Klausurenkurses kann ich nur allerwärmstens empfehlen. Man muss unbedingt einige 5-Stunden-Klausuren geschrieben haben, um die nötige Praxis zu erlangen. Vor allem gilt es, das Zeitmanagement zu trainieren. Im Examen kommt es maßgeblich darauf an, auf den ersten Blick zu erkennen, wie man sich die Zeit für die Erstellung der Lösungskizze und die Ausarbeitung einteilen muss. Dies ist bei jeder Klausur anders und nur durch Klausurenschreiben erhält man die nätigen Erfahrungswerte. Ich denke aber nicht - wie einige Repetitoren - dass man unbedingt 50 Klausuren geschrieben haben muss: ich selbst hatte 22 geschrieben und halte das nach wie vor für ausreichend.

Noch kurz zum Wahlfach: da alle AG-Teilnehmer unterschiedliche Wahlfächer belegt hatten, ließen wir die Wahlfächer im Lernplan unberücksichtigt. Jeder musste sich selbst Gedanken machen, wie und wann er sich den Wahlfachstoff aneignet. Dies führte zusammen mit dem umfangreichen Lernplan dazu, dass man selten Zeit für das Wahlfach übrig hatte. Während der Lernphase sollte man dennoch versuchen, manchmal einen Tag für das Wahlfach zu reservieren, auch wenn man dann an anderer Stelle etwas kürzen muss.

Die Wiederholungsphase (2 Monate)
Während der Lernphase hatte ich mir Karteikarten angelegt. Diese habe ich dann in der Wiederholungsphase nochmals durchgearbeitet. Ich hatte mich darauf beschränkt, nur sehr wenige Karteikarten zu schreiben. Meine gesammelten Karteikarten für alle prüfungsrelevanten Rechtsgebiete passten in zwei Karteikartenboxen. Dadurch erschien mir das Wiederholungspensum nicht so gigantisch viel zu sein. Diesen psychologischen Effekt sollte man nicht unterschätzen.

In der Wiederholungsphase habe ich 6 Tage die Woche gearbeitet, an jedem Tag 6 Std. reine Lernzeit. Diese Lernzeit hatte ich mir wie folgt eingeteilt:

  • Tag A: 4 Std. Zivilrecht und 2 Std. Strafrecht/öffentliches Recht
  • Tag B: 3,5 Std. Wahlfach und 2,5 Std. Strafrecht/öffentliches Recht
Tage A und B immer abwechselnd. Man sieht, dass hier das Wahlfach überproportional viel Zeit eingeräumt bekam. Dies lag daran, dass ich das Gefühl hatte, während der Lernphase nicht genügend für das Wahlfach getan zu haben.

Auch während der Wiederholungsphase habe ich mich am Lernplan orientiert und die einzelnen AG-Themen nochmals durchgearbeitet, allerdings ohne nochmals Lehrbücher zu konsultieren. Um innerhalb von 2 Monaten fertig zu werden, muss man sich in diesem Stadium darauf beschränken, mit den eigenen Karteikarten zu arbeiten. Gelegentlich kann man sich auch nochmal einen in der AG bearbeiteten Fall ansehen. Dazu ist es hilfreich, bereits während der Lernphase diejenigen Fälle, die man für besonders interessant erachtet, auszusortieren, damit man nicht in der Wiederholungsphase alles nochmals durchsehen muss.

Copyright © Michael Forster
Jegliche kommerzielle Verwertung der Seiteninhalte stellt eine Urheberrechtsverletzung dar.
Web Design Template von Web Design Studio